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Über vier Jahrzehnte TTC Wenden

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Erich Schneider, Heinz Arndt, Helmut Liebreich, Manfred Schönauer, Michael Kiunke und Rainer Schönauer (v. l.) holten 1994 die Meisterschaft in der Kreisliga.

Am 16. August 1974 wurde der TTC Wenden, damals noch unter den Namen TTC Wenden-Biggetal, gegründet. In den vergangenen vier Jahrzehnten ist viel passiert: der Rückblick auf eine ereignisreiche Zeit. - Ein Rückblick von Michael Scheppe

Die Anfänge – Schnell bergauf

Schon vor der Vereinsgründung war der Tischtennis-Sport in der Gemeinde Wenden beliebt. Unter dem Dach des katholischen Sportverbands DJK wurde insbesondere in Hünsborn bis 1961 Tischtennis gespielt. Der Sport kam dann aber zum Erliegen, bis Antonius Holweg aus Altenhof im Sommer 1974 die Initiative ergriff, den TTC Wenden zu gründen. Seine Idee war es, alle Tischtennis-Interessierten aus der Gemeinde in einem Club zu vereinigen.

Das Interesse an einem neuen Verein war groß. „Die Gaststätte Schwenk war bei den Vorbesprechungen immer bis auf den letzten Platz besetzt“, erinnert sich Erich Schneider. Er ist seit der Gründung am 16. August 1974 dabei und gehört dem TTC Wenden noch heute an. Erster Vorsitzender des TTC Wenden-Biggetal, wie der Club seinerzeit hieß, war Initiator Antonius Holweg. Bernd-Udo Werner aus Altenhof übernahm das Amt des Kassiers. Das Vereinsziel der beiden war klar. So hieß es im Magazin „Blickpunkt“: „Der Vorstand verfolgt die Absicht, einen sportlichen, kameradschaftlichen und leistungsfähigen Club zu schaffen.“

Die ersten Trainingseinheiten fanden in der Pausenhalle der Altenhofer Schule statt. Aufgrund der Miete von 3,20 DM pro Stunde, die der Verein damals nicht aufbringen konnte, und den unzureichenden Licht- und Platzverhältnissen, zog der TTC in die Turnhalle der Westerberg-Grundschule um. Im November 1974 fanden die ersten Vereinsmeisterschaften statt, die Klaus Stettner aus Möllmicke gewann. Sportliche Erfahrungen sammelte der Club durch mehrere Freundschaftsspiele. Den ersten Sieg gab es im Januar 1975 gegen Altfinnentrop. Zu diesem Zeitpunkt – der Verein war erst ein halbes Jahr alt – zählte der TTC schon 80 Mitglieder. Ein Grund für die rasante Entwicklung sieht Erich Schneider in dem Engagement von Holweg und Werner: „Sie haben sich für den Verein selbstlos aufgeopfert.“ So warben die beiden Männer auf Dorffesten um Sponsoren und weitere Mitglieder.
Der erste sportliche Höhepunkt in der Geschichte des jungen Clubs war die Ausrichtung eines Tischtennis-Pfingstturniers im Mai 1975, bei dem 50 Hobby- und Vereinsspieler mitmachten. In der Einzel-Konkurrenz gewann Erich Schneider. Die Ausrichtung stieß in der örtlichen Presse auf ein positives Echo: „Unverkennbar mußte festgestellt werden, daß das Ziel der Gründer, einen leistungsfähigen Club zu bilden, gelungen war.“ Die Veranstaltung wurde erfolgreich fortgesetzt: Bei der zweiten Auflage 1976 machten schon 150 Spieler mit.

Schon in seiner ersten Meisterschaftssaison 1975/76 sorgte der TTC Wenden-Biggetal für Furore. Zwei Herren- und zwei Nachwuchsteams, denen nur wenige Erfolgsaussichten mit auf den Weg gegeben wurden, traten an. „Sehr schwer werden es die Neulinge aus Wenden haben“, hieß es in einem Zeitungsbericht. Doch schon bald sah man sich getäuscht. Wenden wurde zur großen Überraschung der Kreisklasse und schloss die Saison auf dem zweiten Platz ab. „Wendener auf dem Weg zur kampfstarker Truppe“, revidierte die Presse ihre anfängliche Meinung. In ihrer zweiten Spielzeit zählten die „Wendschen“ zu den Titelfavoriten – und wurden der Rolle gerecht. Ungeschlagen wurde die erste Mannschaft Meister und stieg in die Erste Kreisklasse auf. Ähnlich erfolgreich zeigten sich die Wendener auch auf verschiedenen Turnieren.

Die 80er – Behelfsmäßig, aber gut

Der Schwung aus der Anfangszeit konnte nicht mit in die 1980er genommen werden. Nennenswerte sportliche Erfolge erzielte der Club nicht. „Trainiert wurde auch eher schlecht als recht“, erinnert sich Erich Schneider. Die Trainingsbeteiligung war gering und die Mitglieder seien nicht so diszipliniert gewesen. „Wir sind damals auch schon mal mit drei statt sechs Leuten zu den Spielen gefahren. Häufig auch mit dem Fahrrad und nicht mit dem Auto“, so Erich Schneider. „Die Vereinskultur war damals eine ganz andere. Es war einfach etwas lascher.“

Auch die damaligen Bedingungen sind mit heute nicht zu vergleichen: Das Hallenlicht war diffus und kaputte Tischtennisbälle wurden mit Schmiergelpapier repariert. Die Schläger waren nicht mit einem Belag beschichtet, sondern mit Kork, weiß Erich Schneider: „Es war alles eher behelfsmäßig. Aber Spaß hat es trotzdem immer gemacht.“ Denn auch die geselligen Veranstaltungen seien nicht zu kurz gekommen. Als „fast schon legendär“ bezeichnet Schneider die damaligen Mannschaftsbesprechungen. Sie fanden im Kellerraum des Konrad-Adenauer-Schulzentrums statt.
Der TTC Wenden, dem in den 80er-Jahren rund 45 Mitglieder angehörten, war ein kleiner Verein: Die Einnahmen schwankten zwischen 2000 und 4000 DM. Eine Jahresmitgliedschaft kostete 50 DM, Jugendliche waren für 36 DM dabei. Für die Finanzen war seinerzeit Jürgen Stuff tätig. Leiter des Vorstandes waren Manfred Schönauer und Josef Kaufmann. Sie hatten sich auf die Fahne geschrieben, den Nachwuchs stärker zu fördern: Dazu richtete der TTC die „mini-Meisterschaften“ aus, eine Nachwuchsaktion, die sich speziell an Grundschüler richtet. Außerdem kooperierte der TTC im Rahmen des „Erweiterten Bildungsangebotes“ (EBA) mit den hiesigen Schulen. 1986 veranstaltete der Verein die Tischtennis-Meisterschaften der Gemeinde Wenden. In der Hobbyklasse gewannen Tom Schönauer und Georg „Josch“ Klein im Doppel den Pokal. Beide traten dem Verein nach diesem Erfolg bei und gehören ihm noch heute an.

Die 90er – Höhen & Tiefen

Die ersten Früchte der in den 1980er-Jahren intensivierten Jugendarbeit konnten zur Zeit der Wiedervereinigung geerntet werden: Die Schüler holten in der Saison 1989/90 die Meisterschaft in der Kreisklasse. Zur selben Zeit wurde das Jugendteam Pokalsieger. Nur ein Jahr später feierte die erste Herrenmannschaft das Double, bestehend aus Meisterschaft und Pokalsieg. Die Meistermacher Erich Schneider, Arthur Herling, Joachim Schmidt sowie die Brüder Manfred, Stephan und Rainer Schönauer verloren kein Spiel und stiegen verdient in die Erste Kreisklasse auf. Dort gelang es dem Team in der Spielzeit 1993/94 erneut den Meistertitel zu holen. Pünktlich zum 20-jährigen Bestehen des TTC Wenden sicherten sich Erich Schneider, Manfred Schönauer, Michael Kiunke, Rainer Schönauer, Joachim Schmidt und Josef Kaufmann sowie die beiden Neuzugänge Heinz Arndt und Helmut Liebreich schon einige Spieltage vor Saisonende den Aufstieg in die Kreisliga. Dort hielten sie sich in den kommenden Jahren im gesicherten Mittelfeld. In dieser Zeit waren Jürgen Stuff, Andreas Warnecke und Uwe Stelter die tragenden Stützen des Vorstands.

Im Mai 1992 konnte ein schon in den 1980er-Jahren in Angriff genommenes Ziel verwirklicht werden: Die Gründung einer Damenmannschaft. Bis dato waren die zahlreichen Bemühungen des Vorstands am mangelnden Interesse der Damen gescheitert. Auch 1992 musste stellv. Vorsitzende Andreas Warnecke viel Überzeugungsarbeit leisten: „Ich habe solange gesägt, bis sie Ja gesagt haben.“ Schon nach den ersten Spielen schwand das Interesse der neuen Spielerinnen aber wieder. „So groß die Euphorie anfangs war, so schnell mussten wir das Team auch wieder abmelden“, weiß Erich Schneider.

In der zweiten Hälfte der 90er-Jahre geriet die Nachwuchsarbeit zunehmend ins Stocken: Dem Verein gelang es nicht, ein tragendes Konzept zur Jugendförderung zu installieren. Ein Grund dafür war „die mangelnde Bereitschaft der Mitglieder sich an der Jugendarbeit zu beteiligen“. So steht es im Protokoll der Jahreshauptversammlung 1995. Der Vorstand überlegt deshalb sogar, die Trainingsmöglichkeit einzuschränken. Einen vorläufigen Tiefpunkt gab es ein Jahr später: Nur noch fünf Jugendliche nahmen am Training teil.

Die 2000er – Tiefpunkt & Umbruch

Die negative Entwicklung, die sich am Ende der 1990er abzeichnete, setzte sich um die Jahrtausendwende fort. Zu der Zeit trat der heutige Geschäftsführer Toni Menne dem TTC Wenden, der seinerzeit nur 40 Mitglieder zählte, bei. „Die Trainingsbeteiligung war schwach und das Durchschnittsalter stieg, weil viele Jugendliche in andere Vereine abwanderten“, erinnert sich Menne. Ein gesellschaftliches Vereinsleben fand praktisch nicht statt. So gab es 2004 auch keine Feier zum 30-jährigen Vereinsbestehen. Toni Menne: „Der TTC war alles andere als ein Aushängeschild.“

Erich Schneider sieht die Gründe dafür in der mangelnden Einsatzbereitschaft der Mitglieder: „Es gab nur einige wenige, die sich engagieren wollten.“ Doch das sollte sich ändern. 2005 waren sich Toni Menne und der heutige Vorsitzende Helmut Rosenberger einig: „Wir müssen diesen Verein auf Vordermann bringen.“ Von der Idee einen leistungsfähigen Club aufzubauen, waren auch Christian Siepermann und Stephan Schönauer schnell begeistert. Mit viel Ehrgeiz und Engagement brachten sie den TTC Wenden wieder nach vorne. Der erste Schritt war die Eintragung des TTC Wenden ins Vereinsregister. Dazu wurde der Club in den TTC Wenden e.V. umgewandelt. Auf der Gründungsversammlung am 30. Juni 2006 wurde Toni Menne zum Vorsitzenden gewählt.

Schnell brachte der Vorstand viele Projekte auf den Weg: Das Vereinsleben wurde auf die Säulen Sport, Spaß und Geselligkeit – so lautet auch das Vereinsmotto – gestellt, da der Vorstand neben dem sportlichen Erfolg auch erreichen wollte, dass sich alle Mitglieder im Verein wohlfühlen. Zudem wurde ein Logo in den neuen gelb-blauen Vereinsfarben entworfen und die Homepage überarbeitet. Der wichtigste Schritt war die Neustrukturierung der Jugendarbeit. „Nur so konnte aus dem TTC Wenden ein nachhaltiger Verein mit einer Basis werden“, so Toni Menne. Aus dem systematischen Training resultierten die ersten sportlichen Erfolge. So war es leichter, Sponsoren davon zu überzeugen, das Projekt „Stetig gemeinsam aufwärts“ zu unterstützen. Mit diesem Projekt setzt sich der TTC kontinuierlich konkrete Ziele, an denen dann konsequent gearbeitet wird.

Die Arbeit des Vorstands, der sich aufgrund der vielen Aufgaben stark vergrößert hat, kann sich sehen lassen: Die Mitgliederzahlen haben sich seit 2006 auf rund 120 verdreifacht. Der Anteil an Jugendlichen liegt bei 50 Prozent. Auch sportlich läuft es rund: Die besten der 13 TTC-Teams spielen auf Bezirksebene, was zunehmend neue Spieler anlockt. Mit dem „Sparkassen-Ortspokal“ ist es dem TTC Wenden zudem gelungen, ein einzigartiges Hobbyturnier aus der Taufe zu heben. „Dass der Verein so eine Entwicklung nehmen konnte, hätte ich niemals gedacht“, gesteht Erich Schneider. Früher sei der Verein oft ein Hilfswerk gewesen, eine so strukturierte Vereinsführung wie heute habe es nie gegeben. „Man kann fast sagen, dass der TTC Wenden von früher und heute zwei verschiedene Vereine sind.“

   

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